Praxishilfen zur Umsetzung von Contracting

Ob Vorbereitung oder Umsetzung von Contracting – bei der konkreten Durchführung ergeben sich häufig Detailfragen.

Um Sie bei Ihrem Contracting-Projekt zu unterstützen, hat das dena-Kompetenzzentrum zahlreiche Praxishilfen entwickelt.

Tools & Praxishilfen

Die dena bietet neben informierenden Materialien in Form von Leitfäden auch praktische Anwendungshilfen für Contracting, bspw. zum Angebotsvergleich beim Energieliefer-Contracting an. Die Tools sind größtenteils auch Bestandteil der Contracting-Leitfäden.

Der dena-Leitfaden Energiespar-Contracting bietet eine Hilfestellung bei der Vorbereitung und Durchführung von Ausschreibungen zum Energiespar-Contracting.

Der Leitfaden enthält:

  • ausführliche Hinweise zum Ausschreibungsverfahren,
  • Vergabe- und Ausschreibungsunterlagen,
  • Berechnungsvorlagen für die Angebotsbewertung,
  • Berechnungsvorlagen für die Wirtschaftlichkeitsuntersuchung sowie
  • einen Mustervertrag.

Inhalt

Teil 1 informiert über die Vorbereitung und Durchführung von ESC-Projekten.
Teil 2 enthält  Musterdokumente und Excel-Tools zur Angebotsbewertung.

Der dena-Leitfaden Energiespar-Contracting wird kostenfrei als Download zur Verfügung gestellt.

Der Leitfaden enthält folgende Praxishilfen und Vorlagen, die Ihnen nach dem Erwerb des Leitfadens digital zur Verfügung stehen:

  • Angebotsaufforderung
  • Angebot Anschreiben
  • Beschreibung Versorgungsaufgabe
  • Preisblätter Angebot
  • Wärmelieferungsvertrag
  • Stromlieferungsvertrag
  • Angebotsbewertung 

Die wirtschaftliche Bewertung von Energiespar-Contracting erfolgt grundsätzlich nach Maßgabe der Wirtschaftlichkeit und Sparsamkeit. Diese Grundsätze verpflichten unter anderem zur Prüfung, inwieweit wirtschaftliche Tätigkeiten durch private Unternehmen erfüllt werden können. Hierfür sind angemessene Wirtschaftlichkeitsuntersuchungen durchzuführen. Dabei sollten Methoden der Investitionsrechnung (Kapitalwertmethode) und Nutzwertanalysen unter Einbeziehung nicht monetär fassbarer Einflussfaktoren zur Anwendung kommen.

Im Hinblick auf Energiespar-Contracting ist demnach zu prüfen,

  1. welches Contracting-Angebot zur Realisierung von energiekostensparenden Maßnahmen in einer gesamtwirtschaftlichen Betrachtung die beste Lösung ist und
  2. ob Energiespar-Contracting die vorteilhaftere Lösung gegenüber dem Eigenbau darstellt.

In den Bundesländern erfolgt der Vergleich mit dem Eigenbau bei Bedarf. Genaueres erläutern die Hinweise zu den Länderregelungen im Haushaltsrecht.

Vertiefende Informationen zu dem Thema Angebotsbewertung und Wirtschaftlichkeitsuntersuchungen liefert der kostenfrei zur Verfügung stehende dena-Leitfaden zum Energiespar-Contracting.

Am 1. Juli 2013 ist die Verordnung zur Wärmelieferung  in Kraft getreten, die erstmals einheitlich die Einsatzmöglichkeiten von Contracting für alle Mietwohnungen in Deutschland definiert. Eine zentrale Vorgabe bei der Umstellung auf Wärmelieferung ist die Kostenneutralität, die anhand eines Kostenvergleichs vor und nach der Umstellung nachgewiesen werden muss.

Die dena-Berechnungshilfe unterstützt die Gebäudeeigentümer darin, den vorgeschriebenen Vergleich der Betriebskosten durch Eingabe von Preisen und Verbrauchsdaten durchzuführen.

Als Grundlage der Berechnungshilfe dienen die folgenden Dokumente:

Die Berechnungshilfe zum Nachweis der Kostenneutralität im Rahmen der Wärmeliefer-Verordnung  können Sie kostenfrei herunterladen und nutzen.

Der kostenfreie Leitfaden Energiespar-Contracting  enthält eine Berechnungshilfe zum Angebotsvergleich. Die Angebotsbewertung erfolgt mit einer Nutzwertanalyse, in der monetäre und nicht monetäre Kriterien berücksichtigt werden. Die Gewichtung der Kriterien erfolgt mit den bereits in den Vergabeunterlagen bekannt gegebenen Zuschlagskriterien.

Für die monetäre Bewertung der Contracting-Angebote ist die Kapitalwertmethode anzuwenden. Die Berechnung erfolgt auf Grundlage der Angebotsinhalte und der in den Vergabeunterlagen veröffentlichten Parametern zur Wirtschaftlichkeitsbetrachtung.

Die nicht monetär bewertbaren Aspekte der Angebote werden in der anschließenden Nutzwertanalyse berücksichtigt.

Um die Berechnungshilfe zu verwenden, laden Sie sich bitte den Leitfaden Energiespar-Contracting herunter.

Preissteigerungsfaktoren werden im Rahmen der Wirtschaftlichkeitsbetrachtung benötigt. Sie gehen in den Wirtschaftlichkeitsvergleich der Angebote untereinander und im Vergleich mit der Eigenlösung ein. Energieeinsparungen über die Vertragslaufzeit werden darin dynamisch berechnet.

Der Leitfaden "Wirtschaftlichkeitsuntersuchungen im Hochbau" des Bundesministeriums für Umwelt, Naturschutz, Bau und Reaktorsicherheit (veröffentlicht Mai 2012, überarbeitet 2014) empfiehlt, in solchen Vergleichen nicht ausschließlich mit vergangenheitsbezogenen Daten zu agieren, sondern leicht verfügbare zukunftsgerichtete Daten zur Plausibilisierung zu nutzen. Daher wurden zur Ermittlung der Preissteigerungsfaktoren Szenarien ausgewertet, welche die mittel- und langfristige  Entwicklung der Energiemärkte betrachten.

Aus diesen Szenarien lässt sich eine Dämpfung des Preisanstiegs gegenüber der historischen Entwicklung annehmen. Die abgeleiteten Preissteigerungsraten sind in der nachfolgenden Tabelle dargestellt. Sie  werden von der dena für Vergabeverfahren und Angebotsbewertungen vorgeschlagen.

Jährliche Preissteigerungsfaktoren: Vorschläge für die Angebotsbewertung im Contracting

Parameter der Wirtschaftlichkeitsbetrachtung Wachstumsrate seit 2000 (historischer Trend) dena-Vorschlag für Preissteigerungsfaktoren
Energieträger    
Heizöl leicht 6,1 Prozent p.a. 3,5 Prozent p.a.
Erdgas 4,0 Prozent p.a. 2,5 Prozent p.a.
Fernwärme 4,4 Prozent p.a. 2,5 Prozent p.a.
Energieholz* 5,4 Prozent p.a. 3,0 Prozent p.a.
Elektroenergie 3,1 Prozent p.a. 2,0 Prozent p.a.
Weitere Parameter    
Wasser 1,3 Prozent p.a. 1,0 Prozent p.a.
Investitionsgüter 0,6 Prozent p.a. 0,5 Prozent p.a.
Lohnkosten 2,2 Prozent p.a. 1,5 Prozent p.a.
Stand: 11/2016

*Gewichteter Trend aus statistischen Daten ab 2005 und dem mittlerem Trend 2000-2005 für Heizöl, Erdgas, Fernwärme

 

Die verbindliche Festlegung der Preissteigerungsfaktoren für die Berechnung in der Angebotsbewertung obliegt der ausschreibenden Stelle. Die gewählten Faktoren sind den Bietern bereits in den Vergabeunterlagen bekannt zu geben und dürfen nicht nachträglich geändert werden.

Analog zu den Energiepreisen sind auch Faktoren für Investitionsgüter und Lohnkosten enthalten. In der Angebotsauswertung für ein Contracting Vorhaben werden sie für die dynamische Betrachtung der eingesparten  Instandhaltungskosten genutzt.

Die Basis bilden bspw. die Preisindizes des Statistischen Bundesamtes (Erzeugerpreise). Die Links zu den Datenquellen finden Sie in der folgenden Tabelle.

Datenquelle: Preisindizes des Statistischen Bundesamtes

Preisindex Fachserie / Reihe Fundstelle
Heizöl leicht Fachserie 17 Reihe 2 Preise und Preisindizes für gewerbliche Produkte (Erzeugerpreise) GP 19 20 26 007 2
Erdgas Fachserie 17 Reihe 2 Preise und Preisindizes für gewerbliche Produkte (Erzeugerpreise) lfd. Nr. 628
Fernwärme Fachserie 17 Reihe 2 Preise und Preisindizes für gewerbliche Produkte (Erzeugerpreise) GP 35 3
Energieholz Fachserie 17 Reihe 1 Preisindizes für die Land- und Forstwirtschaft lfd. Nr. 32
Elektrischer Strom Fachserie 17 Reihe 2 Preise und Preisindizes für gewerbliche Produkte (Erzeugerpreise) GP 35 1 11
Wasser Fachserie 17 Reihe 2 Preise und Preisindizes für gewerbliche Produkte (Erzeugerpreise) lfd. Nr. 640
Investitionsgüter Fachserie 17 Reihe 2 Preise und Preisindizes für gewerbliche Produkte (Erzeugerpreise) lfd. Nr. 3
Lohnkosten Fachserie 16 Reihe 2.4 Indizes der Arbeitnehmerverdienste 4.1.1 D Energieversorgung

 

 

Bereits in der Vorbereitung der Vergabeunterlagen legen Sie als Auftraggeber fest, welche Emissionsfaktoren von den Contracting-Bietern als Grundlage für die Einsparberechnungen zu benutzen sind.
Als Richtwerte eignen sich die unten aufgelisteten CO2-Äquivalenzwerte. Sie wurden auf Basis des Globalen Emissions-Modell integrierter Systeme (GEMIS) des Internationalen Instituts für Nachhaltigkeitsanalysen und -strategien (IINAS) berechnet. Das GEMIS-Modell ist ein frei verfügbares Lebensweg- und Stoffstromanalyse-Modell mit integrierter Datenbank für Energie-, Stoff- und Verkehrssysteme.
Die dargestellten Emissionsfaktoren berücksichtigen auch die indirekten bzw. vorgelagerten Emissionen, zum Beispiel die Förderung fossiler Energieträger, die Herstellung von Holzpellets oder den Bau von Photovoltaikanlagen.

Dokumentation in den Vergabeunterlagen

In den Vergabeunterlagen dokumentieren Sie die Emissionsfaktoren in der Baseline-Datei. Die Anbieter berechnen auf dieser Grundlage die CO2-Einsparungen in ihren Angeboten. Die Emissionsfaktoren sind somit vergaberelevant. Die Kompetenzstelle für nachhaltige Beschaffung stellt auf Ihrer Internetseite die aktuellen Vorgaben detailliert dar.

Verwendung in der Angebotsbewertung

In der Angebotsauswertung werden die CO2-Einsparungen bewertet und fließen in die Nutzwertanalyse ein. Der Einfluss der Umweltentlastung wird durch die Festlegung der Gewichtung in den Vergabeunterlagen bestimmt. Je höher die CO2-Einsparung eines Angebotes, umso höher ist die erzielte Punktzahl. Umweltfreundliche Technologien werden mit dieser Vorgehensweise gefördert.