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Ins Machen kommen: Kommunalforum Klimaschutz 2024

Kommunen spielen eine zentrale Rolle bei der Transformation, gleichzeitig ist ihre Aufgabenlast enorm. Wie hoch ist der Investitionsbedarf und welche Rahmenbedingungen sind nötig, diese zu bewältigen? Was bedeutet die aktuelle Gesetzeslage? Wie geht es mit der Wärmeplanung weiter? Diesen und vielen weiteren Fragen widmete sich kürzlich das 4. Kommunalforum Klimaschutz der Deutschen Energie-Agentur (dena) digital mit über 350 Teilnehmenden aus Kommunen, Energiemanagement, Unternehmen und Verbänden.

Die Vorworte und der Impulsvortrag zum Investitions- und Transformationsbedarf der Kommunen stehen als Youtube-Clips zur Verfügung. Leider war es aus technischen Gründen nicht möglich, die Fachforen aufzuzeichnen, wir bitten um Entschuldigung. Bitte beachten Sie: Mit Klick auf ein Video aktivieren Sie alle YouTube-Videos auf dieser Webseite. Wir weisen darauf hin, dass dann personenbezogene Daten an YouTube übermittelt werden.

Sie finden auf dieser Seite die Fachvorträge sowie das Programm als Download.

Lesen Sie im kurzen Überblick, welche Inhalte beleuchtet wurden:

Grußworte von der dena und vom BMWK

Corinna Enders, Vorsitzende der dena-Geschäftsführung, hob in ihrer einleitenden Videobotschaft die wichtige Rolle der Kommunen zur Bewältigung der Energiewende hervor. In der kommunalen Ebene vor Ort, wo das tägliche Leben stattfindet, stecken viel Kraft und enormes Potenzial. Im Fokus, auch beim 4. Kommunalforum: das Thema Finanzierung. Fehlende Investitionsmittel drohen, Klimaschutzmaßnahmen zu verhindern. Enders appellierte an die Politik: „Sie muss die richtigen Rahmenbedingungen schaffen – mit Bürokratieabbau, klaren Regelungen, Förderprogrammen, Beratungsangeboten und auch klaren Vorgaben für die Kommunen, um so den Weg für eine erfolgreiche Umsetzung zu ebnen.“ Sehen Sie im Folgenden ihre komplette Botschaft:

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Stefan Wenzel, Parlamentarischer Staatssekretär beim Bundesministerium für Wirtschaft und Klimaschutz (BMWK), betitelt in seiner Videobotschaft die Transformation des Gebäudesektors als Generationenaufgabe – um bis 2045 klimaneutral zu werden, müsse die gesamte Gebäude- und Heizungsinfrastruktur saniert und Wärme effizient genutzt werden. Dieser Aufgabe stünden Hemmnisse wie Fachkräftemangel in Handwerk und Verwaltung, eine hohe Komplexität und knappe finanzielle Ressourcen gegenüber. Wenzel geht konkret auf das Wärmeplanungsgesetz (WPG) und Energieeffizienzgesetz (EnEfG) ein. Sehen Sie im Folgenden seine komplette Botschaft:

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Themenfokus Finanzierung: Investitions- und Transformationsbedarf der Kommunen

Klimaschutz kostet enorm viel Geld: Wie hoch sind die Investitionsrückstände von Kommunen? Wie groß die Diskrepanz zwischen geplanten und getätigten Investitionen? Und wie ließen sich finanzielle Ressourcen effizient mobilisieren und einsetzen? Der Impulsvortrag von Dr. Henrik Scheller, Teamleiter beim Deutschen Institut für Urbanistik (difu) im Forschungsbereich Infrastruktur, Wirtschaft und Finanzen, und Dr. Jonathan Flesch, Teamleiter Quartier & Stadt im dena-Bereich Urbane Energiewende, lieferte einen Überblick über aktuelle Zahlen und listete die top Ursachen und Hemmnisse für Projektverzögerungen und -verteuerungen. Vorgestellt wurde die dena-Studie „Fit für 2045: Zielparameter für Nichtwohngebäude im Bestand“ (2023) und auch auf Teil 2 „Fit für 2045: Investitionsbedarf für die Transformation öffentlicher Nichtwohngebäude“ hingewiesen, der in Kürze veröffentlicht wird. Scheller forderte von der Politik als klares Bekenntnis die rechtliche Absicherung für Klimaschutz und -anpassung in Kommunen bspw. mit der Etablierung einer Gemeinschaftsaufgabe als zentralen Anker für die Finanzierung, anstelle von unzähligen Förderprogrammen.

Sehen Sie im Folgenden den kompletten Impulsvortrag:

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Fachforen zu Klimaschutzthemen & Best-Practice-Beispielen

Das Programm gliederte sich in fünf parallele Fachforen zu den Themen: Kommunikation von Energiewende und Klimaschutz, Aktuelle Gesetzeslage für Kommunen, Kommunale Wärmeplanung (KWP) und Energieleitplanung, Interkommunale Zusammenarbeit und Integrierte Planung.

1. Kommunikation von Energiewende und Klimaschutz: Wie kann man kritischen Stimmen begegnen?

Menschen mit Klimathemen zu erreichen, fällt oft schwer. Trotz wissenschaftlicher Erkenntnisse zu Klimakrise und Artensterben scheint vielen nicht bewusst zu sein, wie akut die Situation ist. Was erschwert die Kommunikation? Was ist entscheidend, um Klimathemen gut zu kommunizieren? Diesen Fragen widmet sich der Vortrag von Sara Schurmann, Journalismus-Trainerin und Mitgründerin des Netzwerks Klimajournalismus Deutschland. Sie geht u.a. auf Abwehrmechanismen und Confirmation Bias ein: Menschen neigen dazu, Informationen so zu interpretieren, dass sie ihr bestehendes Weltbild bestätigen. Das erschwert die Kommunikation über die Klimakrise. Effektive Klimakommunikation heißt laut Schurmann: Die Klimakrise in einem Kontext zu kommunizieren, der für Menschen relevant ist.

2. Integriert planen – Transformation bewältigen (Best Practice)

Die Aufgabe der Wärmeplanung verunsichert viele Kommunen. In einer Befragung des Deutschen Städtetags in 2023 definierten 76% der Kommunen die aufwendige Abstimmung des Wärmekonzepts mit den Akteuren als größte Herausforderung. Dicht gefolgt vom Personalbedarf in der Verwaltung und den Planungsunsicherheiten künftiger Energieträger. Stadtplaner Prof. Frank Schwartze, Fachgruppe Stadt der Technischen Hochschule Lübeck, zeigte in seinem Vortrag auf, dass Wärmeplanung nicht nur eine energetische Herausforderung ist, sondern eng mit der Stadtplanung verzahnt werden müsse. Sei es mit Blick auf die Bebauungsdichte, -art, Nutzungsintensität oder demografische Entwicklung. Entscheidende Akteure wie die Wohnungswirtschaft und Stadtverwaltung sollten von Beginn integriert werden. Als Lernfeld führte er den Stadtumbau Ost von 1999 an – damals wurden in 259 Kommunen „Integrierte Stadtentwicklungskonzepte“ entwickelt, um dem Wohnungsleerstand entgegenzuwirken.

3. Ein Blick in die Politik: Was bedeutet die aktuelle Gesetzeslage für Kommunen ?

Einen Einblick in die aktuelle Gesetzeslage bekamen die Teilnehmenden in diesem Fachforum. Marianna Roscher, Teamleiterin Energie & Klimaschutz in der dena-Stabsstelle Politik, Strategie & Grundsatzfragen fasste die wichtigsten Punkte und den aktuellen Stand folgender Gesetze zusammen: Klimaschutzgesetz (KSG), Klimaanpassungsgesetz (KanG), Raumordnungsgesetz (ROG), Wärmeplanungsgesetz (WPG), Gebäudeenergiegesetz (GeG), Energieeffizienzgesetz (EnEfG), Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) sowie das Gebäude-Elektromobilitätsinfrastruktur-Gesetz (GEIG). Auch Novellen aus dem Baugesetzbuch wurden vorgestellt.

4. Kommunale Wärmeplanung (KWP) und Energieleitplanung: Wie wirkt sich die KWP auf die Strom- und Gasnetze aus?

Dem komplexen Thema KWP und Energieleitplanung widmete sich der Vortrag von Dr.-Ing. Björn Uhlemeyer, Geschäftsführer von der BMU Energy Consulting. Er stellte dar, dass neben der gesetzlich geforderten Wärmeplanung auch die Auslegung eines integrierten Energiesystems, das aktuelle und potenzielle Energiebedarfe berücksichtigt, vorteilhafterweise durchgeführt werden sollte. Der Grund: Im Gegensatz zum heutigen Energiesystem seien künftig mehr Wechselwirkungen der Energiearten zu erwarten. Er skizzierte, dass Strom beim Heizen die entscheidende Rolle spielen wird, was einen erheblichen Ausbau und Investitionsbedarf der kommunalen Niederspannung bedeute. Uhlemeyer bewertete den Einsatz von hybriden Wärmepumpen im städtischen Bereich als mittelfristig sehr sinnvoll, da diese klimafreundlicher seien als Gasheizungen, und die vorhandenen Stromnetze nicht überlastet werden.

5. Gemeinsam mehr erreichen – Chancen und Herausforderungen der interkommunalen Zusammenarbeit (Best Practice)

Eine Vielzahl von ländlichen Gemeinden in Deutschland ist so klein (< 5.000 Einwohnende), dass sie sich zur Bewältigung kommunaler Aufgaben zusammenschließen. Das Konzept ‚interkommunale Zusammenarbeit‘ ist somit nicht neu, ermöglicht aber im Bereich Klimaschutz zusätzliche Synergien. Wie etwa im Landkreis Bad Kissingen in Bayern, wo Leonie Hassenjürgen seit Herbst 2023 als erste Klimakoordinatorin die 26 Städte, Gemeinden und Märkte aktiv bei der Zusammenarbeit unterstützt. Vor allem Kommunen, die keine eigenen Klimaschutzmanagerinnen oder Klimaschutzmanager bereitstellen. „Hilfe zur Selbsthilfe“ lautet ihre Aufgabe, Hassenjürgen begleitet Projekte, Veranstaltungen, vermittelt Fachleute und vernetzt – in ihrem Vortrag berichtet sie von den Herausforderungen im Landkreis, von den Kriterien zur Zusammenarbeit und konkreten Maßnahmen sowie den Chancen, die interkommunale Zusammenarbeit bietet.

Fazit und Ausblick

Kommunale Akteure an einen Tisch bringen, Lösungsansätze, Tipps und fachliche Informationen austauschen, um die Energiewende voranzutreiben – das ist mit dem 4. digitalen Kommunalforum Klimaschutz erfolgreich gelungen. Aber es gibt noch viel zu tun. Auch in Zukunft wird die dena mit der jährlichen Veranstaltung kommunale Klimaschutzthemen hervorheben. Wir freuen uns auf den nächsten Termin in 2025! Bei Fragen und Anregungen kontaktieren Sie uns unter: kommunalforum.klimaschutz(at)dena.de

Weiterführende Links:

Energiespar-Contracting (ESC): www.kompetenzzentrum-contracting.de

ESC-Modellvorhaben der dena „Co2ntracting: build the future!“: www.kompetenzzentrum-contracting.de/modellvorhaben

Serielles Sanieren/Energiesprong: www.energiesprong.de

Klimakommune digital: https://future-energy-lab.de/projects/klimakommune-digital/

80 Millionen gemeinsam für Energiewechsel: www.energiewechsel.de

Kommunale Wärmeplanung (KWP): www.kww-halle.de